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Interview zu "Report einer Wiedergeburt" mit Seth Ghwyndion von Lorenzo Ravagli

DIE DREI: Auf Deiner Website hast Du einen Text mit dem Titel „Report einer Wiedergeburt” veröffentlicht. Obwohl der Text literarisch anmutet, nehme ich doch an, dass er ernst gemeint ist und dass die Erfahrungen und Erlebnisse, die Du darin schilderst, tatsächtlich passiert sind. Trotzdem muss ich Dich fragen, ob Du ernsthaft behaupten willst, dass Dein erster Gedanke kurz nach Deiner Geburt gewesen ist: „Oh, welch Wunder, ich lebe, also gibt es doch keinen Tod!“ Hattest Du denn „kurz” nach Deiner Geburt schon ein Bewusstsein und vermochtest Du so zu denken, wie Du heute denken kannst? Dasselbe gilt auch für die Episode, als Du wenige Wochen nach Deiner Geburt Dich das erste Mal im Spiegel gesehen und aus der Wahrnehmung der Spiegelung Deiner Bewegungen geschlossen haben willst, dass das Bild im Spiegel wohl Du selbst sein musst.

SETH: Dass der Text ein wenig literarisch anmutet, liegt wahrscheinlich daran, dass ich schriftstellerisch tätig bin und deshalb selbst bei Tatsachenberichten auf eine ästhetische Form Wert lege. Trotzdem ist mir dieser Aspekt beim Schreiben oftmals gar nicht bewusst, ich versuche dann einfach nur, dem Leser auf möglichst verständliche Weise meine Erlebnisse nahezubringen.

Viele Menschen glauben, dass Babies und kleine Kinder kein ausreichend entwickeltes Bewusstsein besäßen, da Erwachsene sich selbst meistens nicht mehr oder nur sehr schlecht an ihre eigene Kinder- und Babyzeit erinnern. Und wie Menschen nun mal sind, so schließen sie vom Äußeren zumeist auf das Innere nach dem Motto „Was wie Gold aussieht, muss auch Gold sein, was wie Silber aussieht, kann nur Silber sein.“

Und so ergeht es dann meistens auch Babies und Eingeborenen von bestimmten Stämmen in Afrika, Asien etc. sie sehen nicht so aus, wie wir uns gebildete Menschen vorstellen, also vermuten wir oftmals ganz zu Unrecht, dass sie primitiv und uns unterlegen seien.

Hinzu kommt, dass Babies, obschon sie jedes gesprochene Wort oftmals schon im Mutterleib verstehen können, selbst noch nicht in der Lage sind, sich entsprechend auszudrücken. Das wertet ein Erwachsener dann als fehlende geistige Reife, ganz als müsse man sich des geprochenen Wortes bedienen, um zu beweisen, was in einem steckt.

Natürlich bestehen die Gedanken eines Babies nicht aus Worten in unserem Sinne, sondern aus Bildern, die es zu seiner ganz persönlichen Gedankensprache zusammenstellt. Da es z.B. noch nicht in der Lage ist, zu denken, „Ich werde morgen meine Mutter wiedersehen“, so hilft es sich, indem es einen eigenen Code aus Bildern entwirft, um diesen Sachverhalt darzustellen. So nimmt es z.B. in dem geschilderten Fall das Bild seiner Mutter, die zu ihm kommen wird und stellt sich vor, dass sie von rechts kommen wird, da rechts für das Baby dann z.B. ein Symbol für Zukunft, links eines für Vergangenheit ist. Auf dieser Weise war natürlich auch mein Gedanke „Oh, welch Wunder, ich lebe, also gibt es doch keinen Tod!“ Ich dachte das, was ich heutzutage in Worte übersetze, tatsächlich nicht in Worten, sondern in Bildern und Symbolen, aber vom Inhalt her stimmte es mit dieser Bedeutung überein.

Dass ich mich im Spiegel erkannte, war ebenso kein großes Wunder, selbst einige Tierarten sind in der Lage, sich selbst im Spiegel zu erkennen. Eigentlich geschah dies in meinem Fall nicht ausschließlich durch die Bewegungen, sondern den Umstand, dass mir Spiegel schon von den vorherigen Leben bekannt waren, und mir dadurch durchaus bewusst war, dass man sich in einem solchen selbst betrachten kann. Die Bewegungen gaben mir dann nur noch die letztendliche Bestätigung, dass Spiegel tatsächlich in der Lage sind, Dinge und Menschen widerzuspiegeln, ich dies also nicht falsch in Erinnerung hatte.

DIE DREI: Meine nächste Frage bezieht sich auf die Art Deiner Erinnerungen an ein früheres Leben. Du schreibst zum Beispiel: „Ich erinnerte mich daran, wie ich in meinem vorherigen Leben mit Leuten verfahren war, die meine Anweisungen nicht befolgt hatten.” Kannst Du etwas genauer beschreiben, wie diese Erinnerungen an Dein früheres Leben in Deinem Bewusstsein auftauchten? Waren dazu besondere Vorkehrungen nötig oder fielen Dir einfach bestimmte Szenen ein, sowie wir uns - ohne besondere Anstrengung - an Erlebnisse aus unserem jetzigen Leben erinnern?

SETH: Die Szenen aus meinem vorherigen Leben tauchten in meinem Bewusstsein genauso mühelos und unerwartet auf, wie das Erinnerungen aus diesem Leben tun, wenn irgend etwas in der äußgeren Welt (eine Farbe, eine Stimme, ein Geruch, ein Bild im Fernsehen etc.) mich an vergangene Erlebnisse aus dem jetzigen Leben erinnert.

DIE DREI: Nun gleich zwei weitere Fragen: Beziehen sich Deine Erinnerungen ausschließlich auf Dein vorangegangenes Leben, das - wie ich vermute - in diesem Jahrhundert oder an der Wende des letzten zu Ende ging oder auch auf weitere vorangegangene?

Und wie sieht es mit der Zeit zwischen Deiner jetzigen Inkarnation und Deiner letzten Imkarnation aus? Hast Du irgendwelche Impressionen über Deinen Seinszustand zwischen den beiden Inkarnationen und wenn ja, was für welche?

SETH: Genaugenommen handelt es sich bei den Erinnerungen an das Leben, das ich in meinem Bericht das vorhergehende nenne, da es vor dem jetzigen Leben stattfand, nicht um mein letztes, sondern um mein vorletztes Leben. An mein letztes Leben erinnere ich mich leider nicht so deutlich, doch ich weiß, dass es sehr kurz und auch ziemlich unerfreulich gewesen sein muss, da hin und wieder einige Eindrücke aus ihm in meinem Bewusstsein auftauchen, die darauf schließen lassen.

An verschiedene Existenzen vor diesen Leben erinnere ich mich ebenfalls, nur leider längst nicht so detailliert wie an die letzten Leben. Die erste meiner Erinnerungen an eine Existenz als Mensch (ich erinnere mich bisweilen auch an nichtmenschliche Existenzen) dürfte aus der Frühzeit stammen, auf jeden Fall erinnere ich mich an ein Leben in zugigen Höhlen, an Kälte und großer Angst vor Tieren, Feuer und Dämonen.

An die Zeit zwischen den Inkarnationen erinnere ich mich nur sehr undeutlich, doch es gibt da drei verschiedene Episoden, die aus der Zeit zwischen den Inkarnationen stammen müßten. Eine der Erinnerungen hatte ich häufig als Baby, wenn ich mit dem Kinderwagen durch die Felder gefahren wurde und in die Wolken blickte. Dann erinnerte ich mich oftmals daran, dass ich schon einmal zuvor nicht körperlich gewesen war und mich geistig mit der Umgebung (den Wolken, dem Wind, den Steinen, den Flüssen, dem Regen etc.) verbunden hatte. Ich erinnerte mich an eine tiefe Entspannung bei diesem Zustand, der aber bald zu einem Gefühl der Einsamkeit wurde, die in mir den Wunsch erweckte, wieder ein Mensch sein zu können, um mit anderen Wesen in Kontakt zu treten und ihre Liebe zu spüren.

Eine andere Erinnerung, die recht häufig auftauchte, als ich acht Jahre alt war, stellte sich so dar, dass ich von oben auf die Straßen schaue und geistig mit der ganzen Welt verbunden bin, die Gedanken der anderen Menschen lesen und ihre Gefühle spüren kann und mich dagegen sträube, wieder körperlich zu werden, da mir bewusst ist, dadurch wieder geistig eingeschränkt zu werden, viele Erkenntnisse zu verlieren. Im selben Alter tauchte auch eine andere Erinnerung auf, die ebenfalls aus der Zeit zwischen den Leben zu stammen scheint.

Sehr häufig begegnete sie mir in Träumen und im Zustand kurz vor dem Einschlafen. Ich befinde mich dabei auf der Schwelle vom Leben zum Tod und versuche, die Bürde zu überwinden, die zu einem höheren Bewusstseinszustand führt. Ich bemühe meinen Geist, sie zu übertreten, doch dann höre ich eine Stimme, die sagt, nein, Du musst noch lernen, lebe, bis Du gelernt hast, wie man die Schwelle überschreiten kann.

DIE DREI: Beschränken sich Deine Erlebnisse mit außerkörperlichen Gegebenheiten, zu denen ja Erinnerungen an frühere Verkörperungen insofern gehören, als sie einer körperlich nicht mehr existenten Vergangenheit zuzurechnen sind, eigentlich auf Erinnerungen? Oder richtet sich Deine Wahrnehmungsfähigkeit auch auf die Zukunft?

Besitzt Du Erfahrungen von nicht-menschlichen geistigen Existenzen oder Wesen?

SETH: Im Gegensatz zu meinen Erinnerungen an frühere Leben, die von der Art der Wahrnehmung ganz gewöhnlichen Erinnerungen gleichen, werde ich mit zukünftigen Geschehnissen weitaus seltener konfrontiert, die dann auch nicht als gewöhnliche Gedanken, sondern eher in Form von Visionen auftreten. Besonders häufig traten diese Visionen im Alter von Anfang zwanzig auf, als ich vor allem in der Nacht wach war und mich der Malerei widmete, am Tag aber schlief.

Ich sah zu dieser Zeit z.B. den Tod meines Ex-Freundes voraus, den ich zu dieser Zeit noch gar nicht näher kannte, sondern ihn nur einmal ganz kurz in der U-Bahn gesehen hatte. Bei diesem kurzen Blickkontakt, da sah ich, wie er mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus eingeliefert wurde, man ihn aber nicht mehr retten konnte. Dann sah ich mich an seinem Grab stehen, das auf dem Friedhof in unserem benachbarten Stadtteil lag. Um mich herum waren merkwürdigerweise gar keine anderen Trauergäste zusehen. Viele Jahre später stand ich dann tatsächlich an seinem Grab genau auf dem Friedhof, auf dem ich mich vor so vielen Jahren an seinem Grab hatte stehen sehen, nachdem er an einer Überdosis Heroin im Krankenhaus nicht mehr hatte gerettet werden können. Da ich aber das Datum seiner Beerdigung nicht früh genug erfahren hatte, waren außer mir, genau wie in meiner Vision, keine anderen Trauergäste anwesend.

Ich erinnere mich sehr dunkel daran, einmal ein Tier gewesen zu sein, doch viel mehr ist von diesem Leben nicht mehr geblieben, als das Gefühl einer gewissen Einschränkung des Geistes.

Mit den Erinnerungen an eine ganz anderen Art von Existenz wurde ich vor kurzem auf einem Friedhof konfrontiert. Die Wahrnehmungen waren so fremdartig, dass ich mehrere Tage brauchte, um mich von ihnen zu erholen, bzw. sie zu verarbeiten. Wenn ich sie nun kurz schildere, dann spreche ich vorher die Warnung aus, dass sie sehr merkwürdig klingen mögen, selbst ich war schließlich so überrascht von ihnen, dass ich mich noch heute über sie wundere.

Als ich dort auf dem Friedhof also ganz enspannt in den Himmel blickte und die Ruhe dieses besonderen Ortes genoss, da erinnerte ich mich aufeinmal daran, vor vielen Jahrtausenden als eine Art Feuergeist exisitiert zu haben. Ich sah mich selbst in Form einer schwarzen Raute am Himmel schweben und mich mit einem anderen Wesen der gleichen Art vereinigen. Das Denken dieses Wesens war so verschieden von dem meinem, dass es meinen Geist geradezu überlasten zu schien, vor allem die geballte Kraft, die ich aufeinmal empfand, war doch recht beängstigend, denn ich hatte für wenige Sekunden das Gefühl, dass ich allein durch die Kraft meiner Gedanken ein Feuer entfachen könnte, wenn ich mich zu stark auf einen bestimmten Punkt konzentrieren würde. Diese Erinnerung war so ungewöhnlich und kraftvoll, dass ich mich noch Tage danach wie verwandelt fühlte und auch eine wenig Furcht von dieser Erinnerung hatte.

Als ich dieses Erlebnis vor vier Wochen in meinem Internet-Forum erwähnte, da klärte mich jemand darüber auf, dass solche Wesen tatsächlich bei einigen Kulturen bekannt zu sein scheinen und dort verehrt werden. Darüber war ich sehr erstaunt.

DIE DREI: Hattest Du jemals Zweifel an der Authentizität Deiner Erinnerungen oder Erlebnisse? Wie beugst Du dem Einwand vor, es handle sich bei all Deinen Erinnerungen, bei Deinen persönlichen Gewissheiten und Überzeugungen um Autosuggestion? Hast Du irgendwelche Verfahren zur Überprüfung Deiner Erlebnisse entwickelt?

SETH: Oh, ja, ich hatte durchaus Zeit meines Lebens Zweifel an meinen Erinnerungen, da ich ein sehr kritischer Mensch bin, der stets alles erst zu überprüfen pflegt, bevor er es zu glauben wagt. Gerade in der Zeit meiner Kinheit, in der ich von meinen Eltern und Großeltern gelehrt wurde, dass jedes sterbliche Wesen nach dem Tod ein himmlisches Paradies und kein weiteres Leben erwarte, fiel es mir sehr schwer, meine Erinnerungen einzuordnen.

Da mich die Eindrücke aus dem vorherigen Leben und die Frage, woher sie denn nur stammen konnten, jedoch sehr stark beschäftigten, wagte ich eines Tages (ich war gerade fünf Jahre alt geworden) meine Mutter zu fragen, ob Gott es vielleicht manchmal auch erlaube, dass Menschen nach ihrem Tod noch einmal geboren würden. Meine Mutter blickte mich erstaunt an, da sie sich wahrscheinlich fragte, wie ich denn wohl auf diesen Gedanken gekommen sein konnte, da ich damals noch mit keiner Philosophie oder Religion konfrontiert worden war, die so etwas wie Wiedergeburt kannte. Dennoch war sie sehr geduldig und antwortete mir, dass Gott es vielleicht manchen Menschen erlauben würde, noch einmal auf die Erde zu kommen, wenn sie im Leben etwas Schlechtes getan hätten und nun von Gott die Chance erbeten würden, ihre Fehler in einem nächsten Leben zu korrigieren.

Ich fand diese Antwort damals etwas beunruhigend, da ich nun vermuten musste, dass ich wohl etwas sehr Schlimmes in meinem vorherigen Leben getan haben müßte, sonst wäre ich schließlich entsprechend der Weltsicht meiner Mutter, die ich als Kind natürlich vorbehaltlos teilte, nicht wiedergeboren worden.

Und je älter ich wurde, desto mehr verwirrten mich meine Erinnerungen und ich zweifelte immer wieder daran, dass es sich bei meinen Erinnerungen um reale Erlebnisse handeln könnte, da ich dies einfach nicht mit meinem Weltbild vereinbaren konnte, das wie das vieler Kinder und Jugendlicher dieser Zeit vor allem naturwissenschaftlich geprägt war.

Wahrscheinlich erginge es mir heute noch so, wäre ich niemals auf meine Biographie gestoßen, in der ich, wie ich es auch in meinem Bericht schildere, all die Bilder und Erlebnisse wiederfand, die mich Zeit meines Lebens begleitet hatten und es immer noch tun.

Jetzt könnte man vielleicht glauben, ich hätte die Biographie nach ihrem Auffinden nun in wenigen Tagen gelesen, doch nein, das tat ich nicht. Ich misstraute mir, glaubte, ich könnte vielleicht nach der Lektüre dieses Buches seinen Inhalt für meine eigenen Erinnerungenhalten, also ließ ich es, nachdem ich die ersten fünf Seiten gelesen und bereits dort einige meiner Erinnerungen wiedergefunden hatte, erst einmal im Schrank stehen und machte mich daran, mir alle Erinnerungen zuvergegenwärtigen, die ich bisher gehabt hatte.

Manche davon notierte ich sogar kurz, andere hielt ich im Bewusstsein. Erst dann machte ich mich daran, noch weitere Seiten der Biographie zu lesen, und war jedes Mal schockiert, wenn wieder eine meiner Erinnerungen in diesem Buchteilweise sogar meine Gedanken wortwörtlich geschildert wurden und musste mich immer wieder zwicken, um sicherzugehen, dass ich nicht etwa träumte.

In dieser Zeit versank mein ganzes Weltbild in Schutt und Asche und ein völlig neues tauchte auf. Dadurch änderte sich nicht nur meine Sichtweise darüber, wie die Natur der Welt und des Lebens aussieht, sondern auch ganz alltägliche Einstellungen. Das ging so weit, dass ich meinen Geschmack sehr stark änderte, mein Auftreten, mein Empfinden. Doch obschon dieses Ereignis mich so stark verändert hat, dass mich nur noch wenig mit der jungen Frau verbindet, die ich vor der Entdeckung meiner Biographie war, so bereue ich es nicht, denn die Erfahrung hat mein Leben bereichert und noch heute, wo ich jeden Tag mit neuen Erinnerungen konfrontiert werde, die ich nur dann für wahr halte, wenn ich nach ihrem Auftauchen einen Beweis für sie in Büchern, Berichten etc. gefunden habe, bereue ich diese Entdeckung selbst dann nicht, wenn Erinnerungen an unangenehme, traurige Ereignisse auftauchen, die mein Leben nicht immer gerade erleichtern mögen.

Danksagung:

Vielen Dank an Lorenzo Ravagli, für die Mühe, die er sich mit diesem Interview gemacht hat!

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Kurzbiographie der Autorin
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