| Teuflische Klage
Mein Blick auf Deinem bleichen Anlitz verharrt.
Du streichst die Saiten der Geige.
Mal spielst sie hart und mal ganz zart.
Du lächelst Dein teuflisches Lächeln, ich schweige.
Deine blassen Finger zaubern Schemen auf kalte Wände.
Zum Tanzen mich führn Deine eisgen Gesänge.
Ergreifen möcht ich Dich nun, fühlen die Härte Deiner kalten Hände.
Ich folge den Schatten Deiner dunklen Klänge.
Deine silbernen Augen werfen schwarzes Licht.
Du wiegst Dich mit mir nun wild im Kreise.
Du berührst mich ganz zart, ich zaudere nicht.
Ich hör in der Ferne den Ruf eine Eule ganz leise.
"Ich muss fort, ich muss fort!" Ängstlich bring ich hervor.
"Wage es nur nicht, von mir zu gehen!"
Deine kalte Stimme mir flüstert ins Ohr.
"Sonst wird Dir etwas Schlimmes geschehen!"
Nun zückst Du einen Dolch im Mondeslicht.
Und zwingst mich zu küssen seine eisige Schneide.
Mir stockt nun das Herz, doch ich fliehe nicht.
Es bereitet Dir Lust, zu sehn, wie ich leide.
Doch dann gefriert Dein Lachen wie eisiges Eis.
Blutrote Tränen laufen über Dein bleiches Gesicht.
Dein Anlitz ist traurig, so blass und so weiß.
Ich möchte Dich trösten, doch Du gewährst es mir nicht.
Du reichst mir den Dolch, richtest ihn auf Dein kaltes Herz.
"Töte mich!" Flüsterst Du, Deine Augen voller Schrecken.
Deine eisige Miene zeigt heißen Schmerz.
Oh, könnt ich doch die Lebensfreude in Dir wieder erwecken!
Den Dolch ich ihm nicht stech in die Brust.
Ich küß seine roten Lippen mal hart und mal zart.
Meine Zähne dringen tief, bereiten ihm süßestes Lust.
Seine kalte Hand auf meinem Nacken verharrt.
Er drückt mich an sich, stöhnst vor heißem Verlangen.
Kalt ist unser Kuß und unendlich heiß.
Seine langen schwarzen Haare sich in meinen Händen verfangen.
Schwarz ist unser Herz, unser Anlitz schneeweiß.
In ewiger Lust wir fliehn in die Nacht.
Für immer ich will Dein Gefährte nun sein.
Eine einsame Eule hält klagend Wacht.
Und wir werden alles sein, nur niemals allein.
Seth Ghwyndion
|