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Report einer Wiedergeburt
Hätte der Zufall mir niemals meine eigene Biographie in die Hände gespielt, die ich im letzten Leben geschrieben hatte, so glaubte ich trotz meiner vielzähligen Erinnerungen an das vorherige Leben nicht an Wiedergeburt, sondern hielte meine inneren Bilder für Ausgeburten einer lebhaften Phantasie. Doch als ich mit 26 Jahren schließlich in einer Biographie all die Photos von mir, meinen Verwandten, Geliebten und Freunden wiedersah und all meine Erinnerungen nun schwarz auf weiß in diesem Buch nachlesen konnte, die ich seit meiner Kindheit in meinem Geiste trage, da verstand ich voller Erstaunen, dass der Mensch nicht sterben kann, sondern dass er stets wiedergeboren wird. Dies war eines der größten Wunder meines Lebens, und es hört nicht auf, da neue Erinnerungen stetig dazukommen und mich immer wieder aufs Neue in Erstaunen versetzen. Ich schreibe seitdem ein Buch, in dem ich meine Erlebnisse bis ins kleinste Detail niederschreibe. Da es aber sicherlich noch 2 Jahre dauern wird, bis ich meinen Bericht beenden werde, ist hier nun eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse, die mein Leben grundlegend geprägt und verändert haben.
Mein erster Gedanke kurz nach meiner Geburt war Oh, welch ein Wunder, ich lebe, also gibt es doch keinen Tod! Es war der Beginn meines jetzigen Lebens aber zugleich auch der Beginn der Erinnerungen aus dem letzten Leben, die die heutige Zeit mit der gestrigen verbinden würden.
Als ich mich wenige Wochen nach meiner Geburt zum ersten Mal im Spiegel betrachtete, dachte ich Wer ist wohl dieses niedliche Mädchen?, bis ich bemerkte, dass alle seine Bewegungen den meinen folgten und ich daraus schloss, dass dieses kleine Wesen im Spiegel wohl ich sein müsse und ich fragte mich, wie es wohl meinen eigenen Kindern gehen möge.
Wie alle Babys verbrachte ich den größten Teil meiner Zeit im Liegen und mit meinen Gedanken, die vor allem um Belange meines vorherigen Lebens kreisten. Ich erinnere mich, dass diese Gedanken mich unruhig machten, da ich durch sie das Bedürfnis verspürte, mich bei meinen Freunden, Bekannten und vor allem bei meinen Kindern aus dem letzten Leben wieder zu melden, mir aber durchaus bewusst war, dass ich dies nicht in dem Körper eines Babys tun konnte, das noch nicht einmal des Sprechens, geschweige denn des Laufens fähig war.
Besonders verwunderte mich dann stets das Aussehen meiner Mutter, die ich sehr hübsch fand, die aber so gar nicht der Frau ähnelte, von der ich nachts immer träumte und die auch viel bedrohlicher und ablehnender wirkte, als ich es von meiner Mutter gewohnt war. Erst später verstand ich beim Durchblättern der Biographie, dass ich damals ständig das Bild meiner früheren Mutter vor den Augen gehabt hatte.
Als ich ein Jahr älter wurde, da versetzten mich die Anweisungen meiner Mutter und meiner Großmutter oftmals in Erstaunen, häufig auch in Wut, da ich meine Rolle als Kind nicht mit meinen Erinnerungen an mein Leben als älterer Mann vereinbaren konnte, der es gewohnt war, dass man ihm Respekt erwies. Ich erinnerte mich dann daran, wie ich in meinem vorherigen Leben mit Leuten verfahren war, die meine Anweisungen nicht befolgt hatten. Ich weinte dann immer besonders lange oder schrie so laut, dass meine Mutter ganz wütend wurde.
Bei solchen Auseinandersetzungen erinnerte ich mich dann auch häufig an Szenen aus meinem früheren Leben, bei denen meine beiden Geliebten sich wieder einmal stritten oder meine Frau weinend zu meinen Füßen lag, da ich damit gedroht hatte, sie zu verlassen. Oder aber es entstand vor meinem geistigen Auge das Bild von einer laut weinenden und jammernden Frau im Nebenzimmer, die eine andere zu trösten versucht, während ich mich darum bemühe, beide einfach zu ignorieren. Ich fühle mich aber dennoch irgendwie schuldig und kann mich nicht auf andere Dinge konzentrieren. Diese Bilder verwirrten mich als Kind, da ich nicht wusste, woher sie denn stammten und es dauerte dann immer noch länger, bis ich mich beruhigt hatte.
Mit zwei Jahren erinnerte ich mich dann oftmals an den Briefverkehr mit verschiedenen Personen und Organisationen aus meinem früheren Leben und ich plante regelmäßig, auf diesen oder jenen Brief zu antworten, bis ich jedes Mal durch den Ruf meiner Mutter aus meinen Gedanken gerissen wurde und ich mich wieder daran erinnerte, dass ich mich in dem Körper eines Kleinkindes befand, das leider noch nicht schreiben konnte.
Beim Spielen pflegte ich außerdem oft darüber nachzudenken, wie ich es anstellen könnte, das Schreiben so schnell wie möglich zu erlernen, um das Lebenswerk des vorherigen Lebens vollenden zu können. Insbesondere die Erinnerung daran, dass ich eines meiner Projekte im vorherigen Leben nicht hatte beenden können, machte mich geradezu nervös.
Dennoch verstand ich, dass dieses neue Leben auch eine Chance darstellte, da ich es nun von Grund auf anders gestalten und alte Fehler vermeiden konnte.
Als ich dann in den Kindergarten und schließlich in die Schule kam, da verblassten diese Erinnerungen allmählich, da ich nun durch die nötige Auseinandersetzung mit der Umwelt von meinen inneren Bildern abgelenkt wurde.
Dennoch kehrten einige der Erinnerungen immer wieder zurück und es kamen ständig neue hinzu. Dabei traten die inneren Bilder vor allem in Situationen auf, in denen ich sie eigentlich gar nicht erwartet hatte, da mich gerade aktuelle Erlebnisse sehr stark in Anspruch nahmen. Z.B. erlebte ich oftmals, dass Erinnerungen an Konflikte, die ich im vorherigen Leben gehabt hatte, in Momenten kamen, in denen ich gerade in einen Streit mit meiner Mutter verwickelt war und weinend auf meinem Bett lag. Sehr häufig erschien dann das Bild vor meinem inneren Auge, dass ich mich in meinem Zimmer verschanzt habe, um meinen Onkel davon abzubringen, dass er mich wieder zurück ins Internat bringt, wo ich wie ein Gefangener behandelt werde. Ich erinnerte mich dann immer, wie ich stundenlang weinend darum bat, doch zuhause bleiben zu dürfen, er aber standhaft blieb und ich mich schließlich schweigend in mein Schicksal fügte, da ich Haltung bewahren wollte. Ich war dann immer so mitgenommen von dieser Erinnerung, dass ich noch lauter zu heulen anfing. Meine Mutter, die nichts von meinen Erinnerungen an mein vorheriges Leben ahnte, reagierte dann immer mit Entsetzen, da sie nicht verstehen konnte, was meine Trauer und meine Wut denn nun verstärkt haben konnte. Aber auch in anderen Momenten intensiver Empfindung, sei es positver oder negativer Art, kamen einige der Erlebnisse aus dem früheren Leben wieder an die Oberfläche.
Wenn ich z.B. mit den Nachbarskindern spielte, dann kam es oft zu Machtkämpfen, in denen jeder von uns Kindern die Oberhand gewinnen wollte. Und immer, wenn solch einer Kampf wieder einmal in vollem Gange war, dann sah ich plötzlich, wie ich als Mann mittleren Alters an meinem Schreibtisch sitze und darüber nachdenke, wie ich die Mitglieder meiner Organisation dazu bringen könnte, dass sie sich gegenseitig respektieren und sich nichts ständig in den Haaren liegen. Bei besonders heftigen Streiterein aber, in denen wir Kinder uns so sehr beschimpft haben, dass wir uns danach für einen Tag aus dem Weg gehen mussten, da geschah es häufig, dass ich dann plötzlich eine junge Frau vor mir sah, die mich mit wutverzerrter Miene beschimpft und mich als heillosen Tyrannen bezeichnet, mit dem doch kein Mensch für längere Zeit etwas zu tun haben wolle. Mich selbst hörte ich dann höhnisch lachen und die Frau vor den anderen Zuschauern dieses Streites lächerlich machen, doch innerlich, da fühlte ich mich dann ganz verletzt und verraten. Ich weiß noch, wie mich als Kind dieses Bild dann völlig aus der Fassung brachte und ich dann fast zu weinen begann, obschon mir durchaus bewusst war, dass es sich bei diesen Ereignissen nur um innere Bilder handelte. Trotzdem fühlte ich mich danach immer ganz einsam und von meinen Mitmenschen hintergangen.
Als dann etwa sieben Jahre war, da liebte ich es, mich alleine mit Malen zu beschäftigen, so dass ich meine Freunde oftmals fortschickte, wenn sie gerade zu diesem Zeitpunkt an meiner Tür klingelten. Ein paar Tage später, da wollte ich mich mit einigen von ihnen zum Spielen treffen, aber sie hatten nun selbst keine Zeit und ich dachte, dass ich den Kontakt zu ihnen hätte besser pflegen sollen und vor meinem geistigen Auge entstand das Bild eines alten Mannes, der durch eine englische Stadt läuft und seiner Jugend nachtrauert und ich errinnerte mich an verschiedene Orte, an denen ich früher gewesen war und an denen ich meine wichtigsten Projekte verwirklicht hatte. Ich besann mich dann noch genau an das Gefühl der Einsamkeit und war ganz verwirrt, als mir bewusst wurde, dass ich erst sieben Jahre alt war und überhaupt nicht in England wohnte.
Ein anderes Mal, da zeigte ich meinen Großeltern stolz ein Bild, das ich gerade gemalt hatte und sah mich aufeinmal, wie ich mich selbst nachdenklich auf einer Photographie betrachte und darüber nachdenke, ob das Bild passend für eine Veröffentlichung sei. Dann schwenkten meine Gedanken um und ich überlegte mir, dass man mit 30 Jahren als Mann schon viel erfahrener ist als Mitte 20, als mir aufeinmal wieder bewusst wurde, dass ich noch ein Kind war und im Esszimmer meiner Großeltern stand. Später fand ich dann dieses Photo in meiner Biographie wieder.
Zu dieser Zeit war ich sehr begeistert von bestimmten Divinationstechniken und es machte mir Spaß, immer neue zu entwickeln. Bei einem dieser Versuche, da fiel mir aufeinmal ein, dass ich eine solche Technik auch früher schon einmal verwandt hatte, um den Ort für ein sehr wichtiges Projekt zu bestimmen. Ein merkwürdiger Ortsname kam mir in den Sinn, den ich noch nie zuvor gehört hatte, ich sprach ihn mehrmals aus, ganz verzückt von seinem Klang, dann verwarf ich ihn wieder, da ich nicht glauben konnte, dass irgend eine Stadt solch einen ungewöhnlichen Namen tragen könnte. Viele Jahre später konnte ich in der Biographie nachlesen, dass es diesen Ort tatsächlich gegeben hatte, und dass ich ihn wirklich durch eine Divinationstechnik ausgewählt hatte.
Eine weitere Erinnerung tauchte sehr häufig in dem Haus meiner Großeltern auf. Ich sah dann plötzlich, oftmals ohne äußere Ursache vor meinem inneren Auge, wie die Polizei mein Haus durchsucht und schießlich halte ich plötzlich einen Brief in der Hand, in dem von amtlicher Seite verfügt wird, dass ich innerhalb von kurzer Zeit den Ort und das Land zu verlassen habe und damit auch das Projekt aufgeben muss, das mir so viel bedeutet. Ich sehe dann, wie ich mich ärgere und all diejenigen verfluche, die die Gerüchte in Umlauf gebracht haben, die mich in eine solch prekäre Lage versetzen. Dann sehe ich mich auf einer Schreibmaschine einen Texte verfassen, der gegen die Ausweisung protestiert, doch leider ist die Lage aussichtslos und ich muss schließlich trotz aller Bemühungen, dableiben zu können, schließlich doch das Land verlassen. Mit dieser Ausweisung stirbt dann ein Teil meines Lebens und meiner Zukunft, doch es gibt niemanden, der das verhindern könnte. Ich war nach diesen Bildern immer sehr verstört und fragte mich, ob es sich bei den Bildern wohl um Erinnerungen aus der Kriegszeit handeln könnte, war mir aber nicht sicher, wann und vor allem wo das genau gewesen sein könnte, da ich doch erst acht Jahre alt war.
Desweiteren erinnerte ich mich während meiner häufigen Spaziergänge im Wald oft an meine vielzähligen Asienreisen, die ich im letzten Leben unternommen hatte und an meine Gedanken über die Natur und die Menschen Indiens, des Orients und Chinas. Viele dieser Gedanken konnte ich später voller Erstaunen in der Biographie nachlesen.
Als ich 10 Jahre alt war, da folgte eine tiefgreifender Bruch in meinem Leben, ausgelöst durch einen Sportunfall, der mir solch einen Schock versetzte, dass weitere Erinnerungen aus meinem letzten Leben aus meinem Unterbewusstsein hervorgelockt wurden. Die Konsequenzen waren damals gravierend für mich, da ich oftmals im Unterricht das Bewusstsein verlor, weil ich mich wieder an die schreckliche Situation im Internat erinnerte, in dem ich im vorherigen Leben eine nicht gerade angenehme Zeit verlebt hatte. Einer der Mitschüler brachte mich dann immer vor die Tür, wo die Bilder wieder verblassten.
Besonders deutliche Visionen hatte ich in dieser Periode meines Lebens in einem Cafe, dessen roter Vorhang mich an einen Vorfall in Amerika erinnerte, bei dem ich in meinem vergangenem Leben in einem Nachtlokal auf einen Freund wartete, der aber nicht erschien. Damals war ich voller Sorge, da ich dringend seiner Hilfe bedurfte, doch anstatt ihm setzte sich aufeinmal ein fremder Herr mir gegenüber und behauptete, er sei von meinem Freund geschickt worden. Ich errinnerte mich noch daran, dass ich ihm nicht traute und daran, dass ich schließlich voller Panik nach draußen rannte, um ihm zu entkommen und wieder wach zu werden, da ich eine zu große Menge irgend einer Droge eingenommen hatte und nicht wollte, dass der fremde Herr Zeuge meines Zusammenbruchs werden würde, da er sonst schlechte Gerüchte über mich in die Welt setzen könnte. In diesem Leben rannte ich ebenfalls hinaus und hatte es schwer, meiner Mutter und meiner Großmutter zu erklären, weshalb ich so reagiert hatte.
Es war eine Zeit der großen Traurigkeit für mich angebrochen, in der ich oftmals in tiefer Depression lag, ohne mir ihrer Ursache bewusst zu sein. Doch einige Male, da erschienen Bilder vor meinem geistigen Auge, die mir einen Hinweis auf die Ursache der tiefen Trauer gaben. Ich lief schon damals sehr gerne den ganzen Tag durch die Wälder, die mein einziger Trost zu sein schienen. Doch oftmals wurde auch dort mein Glück und das Gefühl des Schwelgens in der Schönheit der Natur durch die Erinnerung an den Verlust meiner kleinen Tochter getrübt. Ich sah mich dann aufeinmal durch den Wald laufen, in tiefer Trauer über den Tod meiner Tochter und seinem Zweck nachsinnend. Ich weiß noch, dass die Bilder des Leids dann so intensiv waren, dass ich noch nicht einmal in der Lage war, in solchen Momenten mit meiner Mutter, oder wer immer mich damals auch begleitete, zu sprechen, sondern dass ich wie gefangen in der Welt der Erinnerungen war. Als ich später dann die Biographie in die Hände bekam, da erfuhr ich, dass ich damals wirklich meine Tochter verloren und über ihren Tod bei Spaziergängen im Wald nachgesinnt hatte.
Dann, eines Tages, als ich auf meiner Schaukel im Garten meiner Großeltern saß, da fragte ich gen Himmel, wie ich wohl im letzten Leben geheißen haben mochte, und zunächst passierte natürlich nichts. Doch schließlich, als ich voller übermütiger Fröhlichkeit begonnen hatte, ausgelassen schaukelnd Lieder anzustimmen, da sang ich plötzlich meinen Namen, machte ein paar Reime über ihn und kehrte dann wieder zu den Geschäften des täglichen Lebens zurück, als sei nichts geschehen. Erst vierzehn Jahre später wurde mir bewusst, dass mir damals tatsächlich der richtige Name eingefallen war.
Als ich dann in die Pubertät kam, wurden meiner Erinnerungen wieder etwas schwächer, doch nun erinnerte ich mich häufig an meinen besten Freund, auf Namen ich mich erst 10 Jahre später besann, der mich dann auch auf meine Biographie stoßen ließ. Ich erinnerte mich daran, wie schwer es doch ist, als Mann einen guten Freund zu finden, auf den man sich verlassen kann. Dieser Gedanke erstaunte mich verständlicherweise sehr, mochte er doch nicht gerade gut zu einem jungen Mädchen passen.
Ein Aufenthalt in England brachte ebenfalls einige Erinnerungen an meine Zeit als alter Mann und einige wenige meiner Jugendzeit zurück. Besonders intensiv waren damals die Bilder von den letzten Jahren meines Lebens, in denen ich in einem kleinen Zimmer ziemlich krank und arm mein Dasein friste. Ich erinnere mich auch, dass es nicht immer einfach war, mit dem wenigen Geld an die Droge zu kommen, die ich dringend benötigte. Trotz allem bin ich immer noch an geistigen Dingen interessiert und sehe mit Neugier meinem Tod entgegen, da ich ergründen möchte, was es mit ihm auf sich hat und ob er überwunden werden kann. Dort sehe ich auch, dass ich später einmal in Bonn wieder zu Welt kommen werde, glaube aber zu dem Zeitpunkt nicht daran, sondern nehme an, dass ich auf diese Stadt nur deshalb gestoßen sei, weil ich früher einmal jemanden kannte, der dort gelebt hat. Nach solchen Erinnerungen fühlte ich mich meist merkwürdig benommen und ich fragte mich, wie ich denn bloß auf solche Gedanken gekommen sei.
Mit dem Alter von 19 Jahren lernte ich schließlich meinen ersten festen Freund kennen, mit dem ich mich oftmals stritt. Jedes Mal, wenn wieder so ein Streit stattfand, hatte ich das Bild der Frau vor den Augen, mit der ich in meinem früheren Leben verheiratet gewesen war, und bei der ich das Gefühl hatte, sie könne die frühere Inkarnation meines Freundes sein. Diese Frau fand ich später dann tatsächlich in der Biographie wieder. Unter dem Bild war tatsächlich zu lesen, dass es sich um meine Ehefrau handele.
Mit ihm reiste ich damals sehr häufig quer durch Europa, auch wenn es mich auch schon damals viel stärker in den Orient und nach Asien zog. Eines Tages, da wollten wir zusammen eigentlich mit der Eisenbahn nach Vendig fahren, stellten dann aber fest, dass die Preise für die Campingplätze in Norden viel zu teuer waren und beschlossen deshalb, lieber irgendwo in den Süden zu fahren. Ich schaute mir dann den Reiseführer an und beschloss ganz intuitiv auf eine bestimmte Insel zu fahren. Mein Freund willigte ein und so setzten wir schon einen Tag später an das andere Ufer über. An der anderen Seite angekommen, da mussten wir uns nun entscheiden, in welche der drei angegebenen Richtungen wir denn nun weiterfahren wollten. Ich betrachtete sorgfältig die verschiedenen Richtungsschilder am Bahnhof und war ganz erstaunt, als ich einen der Ortsnahmen las. Hatte ich den nicht schon vorher einmal gehört? Ich fühlte, wie ein innerer Drang den Wunsch in mir entstehen ließ, dorthin zu fahren, da ich irgendwie ahnte, dass eine Fahrt dorthin irgendwie bedeutend für mich sein würde, doch als ich meinem Freund mitteilte, wohin ich wollte, da schüttelte er den Kopf und meinte, dass dieser Ort viel zu weit weg sei. Da wir schon ziemlich erschöpft von den vergangenen Wochen waren, in denen wir quer durch Europa gefahren waren, stimmte ich ihm zu, obschon ich das Gefühl hatte, eine wichtige Gelegenheit zu verpassen. Das Gefühl verstärkte sich dann nach unserer Rückfahrt auf der Fähre, auf der ich mich aufeinmal einem Ort nachtrauern sehe, mit dem ich sehr viele Hoffnungen verbunden habe. Nachdem ich sechs Jahre später die Biographie in die Hand bekam und dort nachlesen konnte, dass ich tatsächlich eine Zeit lang dort gelebt hatte, da fuhr ich mit meinem nächsten Freund noch einmal dorthin, diesmal aber in das Dorf, in das es mich vor so vielen Jahren gezogen hatte und erkannte viele Orte wieder, an denen ich im vorherigen Leben oft gewesen war.
Drei Jahre später traf ich mich oft mit einer bestimmten Freundin, bei deren Anwesenheit ich mich wieder an meine Zeit mit dem Freund aus meinem vorherigen Leben erinnerte, mich dem ich so viele Reisen unternommen hatte, an die ich mich dann auch teilweise erstaunlich detailliert erinnerte.
Als ich dann 26 Jahre alt war, da begann ich, inspiriert von einen Kinofilm, den ich damals voller Begeisterung fünf mal hintereinander sah, meinen Vampirroman zu schreiben. Erst heute entdeckte ich vor wenigen Tagen mit Erstaunen, dass das Leben der Hauptperson, ihr Empfinden und ihr Handeln sehr viele Paralellen zu dem Leben der Person besitzt, die ich in meinem vorherigen Leben gewesen bin.
Schließlich folgte eine Zeit der schwachen Erinnerungen, bis diese wieder durch den Kuraufenthalt in den Bergen geweckt wurden, als ich jede Nacht Spaziergänge durch die dunklen, einsamen Wälder unternahm und in die Höhlen kletterte, die sich dort überall in den Felsen befanden. Durch die Stille, die Dunkelheit und die Tiefe der Höhlen stieg ich wohl mehr als symbolisch in die Tiefen meines Unterbewusstseins hinab und erinnerte mich aufeinmal erneut an den Namen, den ich in meinem früheren Leben getragen hatte.
Und damit begann das Abenteuer, denn als ich wieder aus den Bergen zurückkehrte, stieß ich auf das Buch, in dem all die Photos der Freunde und Verwandten aus meinem letzten Leben abgedruckt waren, an deren Gesichter ich mich seit meiner Kindheit erinnere. Als ich in ihm schließlich auch noch unzählige der Begebenheiten und Gedanken wiederfand, die ich als Kind im Glauben, noch die alte Persönlichkeit zu sein, gedacht hatte, fiel ich wie aus allen Wolken. Eines der größten Abenteuer meines Lebens hatte begonnen!!!
Seth Ghwyndion
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